PERMAKULTUR IN BRASILIEN
BESUCH BEI ERNST GÖTSCH
PERMAKULTUR IN BRASILIEN
Agronom & Querdenker

Ernst Götsch, 1948 in Raperswilen (TG) geboren, ist ausgebildeter Agronom. Er arbeitete an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für landwirtschaftlichen Pflanzenbau FAP-Reckenholz in Zürich (heute Agroscope) im Bereich Pflanzengenetik. Doch mit der Zeit wurde ihm klar: Die entscheidenden Antworten entstehen nicht im Labor, sondern im lebendigen System. Er verliess die Forschung und begann ab 1974 in der Schweiz und in Deutschland eigene Feldversuche auf gepachtetem Land.
Auswanderer & Pionier
Anfang der 1980er-Jahre wanderte Götsch nach Brasilien aus. In der Kakaozone im Süden Bahias übernahm er eine stark degradierte Fazenda mit 480 Hektaren Fläche.

Ziel war es, wieder Kakao zu produzieren – unter völlig neuen Vorzeichen. Er forstete das Land auf und etablierte Kakao als Hauptkultur. Dabei entwickelte er ein Anbausystem, das landwirtschaftliche Produktion mit der natürlichen Regeneration des Waldes verbindet: die syntropische Landwirtschaft.

Denkansätze, die bleiben
Die zwei Tage mit Ernst Götsch waren intensiv und inspirierend. Sein ganzheitlicher Blick auf den Pflanzenanbau und Ökologie fordert heraus und öffnet neue Perspektiven.

Einige seiner Zitate:
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«Es gibt keine exotischen Pflanzen – nur erfolgreiche und weniger erfolgreiche.»
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«Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.»
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«Eine Pflanze wächst nicht wegen Ressourcen, sondern um eine Aufgabe zu erfüllen.»
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«Entscheidend ist die Funktion einer Pflanze im Ökosystem.»
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«Wir messen Niederschlag, aber unterschätzen die Bedeutung der Kondensation.»

Syntropische Agrokultur
«Syntropie» bedeutet «Miteinandergehen». Genau darum geht es: Pflanzen und Organismen wirken zusammen, schützen sich gegenseitig und bauen gemeinsam Fruchtbarkeit auf.

Bäume übernehmen eine Schlüsselrolle. Sie liefern organische Masse, regulieren das Mikroklima und strukturieren das System. Götsch kombiniert Mischkulturen mit Arten aus allen Stadien der natürlichen Sukzession. Er arbeitet nicht gegen die Dynamik des Waldes, sondern mit ihr.
Agroforst als System
In Götschs Agroforstsystem wachsen Bäume, Sträucher und Ackerkulturen auf derselben Fläche. Die Gehölze spenden Schatten, brechen den Wind und erhöhen die Widerstandskraft der Kulturpflanzen. Einheimische Arten sind ausdrücklich erwünscht.

Richtig eingesetzt fördern sie das Wachstum der Nutzpflanzen, unterdrücken Krankheiten und Schädlinge und verbessern langfristig die Bodenstruktur. Durch den kontinuierlichen Aufbau organischer Substanz steigt die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig.
Kakao
Bahia gilt als historisches Zentrum des brasilianischen Kakaoanbaus. Angebaut wird häufig Edelkakao, insbesondere Trinitario-Varietäten mit kräftigem Aroma und feiner Säure.

In den 1990er-Jahren brachte die «Hexenbesen»-Epidemie (Moniliophthora perniciosa) den brasilianischen Kakaoanbau in eine schwere Krise. Heute setzt das Land verstärkt auf nachhaltige Anbausysteme und Agroforstmodelle wie jene von Ernst Götsch. Gleichzeitig gewinnt die regionale Wertschöpfung – von der Bohne bis zur Schokolade – zunehmend an Bedeutung.
