Wie überall sorgen Fachbegriffe auch im Garten für Klarheit – allerdings nur, wenn wir diese besonderen Wörter kennen und ihre Bedeutung verstehen.
GÄRTNER GRAF erklärt dir wichtige gärtnerische Begriffe und hilft dir, im Fachjargon mitzureden.

Okulieren

  1. Der Fachbegriff stammt vom lateinischen oculare = «mit Augen versehen» bzw. «ein Auge einsetzen». Der Zusammenhang mit dem «Auge» ist botanisch gemeint: Gemeint ist eine einzelne Knospe.
  2. Okulieren, auch Augenveredelung genannt, ist eine Methode der Pflanzenveredelung. Dabei wird im Sommer eine einzelne Knospe («Auge») einer Edelsorte unter die Rinde einer Unterlage eingesetzt.
  3. Die Okulation beziehungsweise Pflanzenveredelung ist seit der Antike belegt und wurde bereits von Griechen und Römern praktiziert. Römische Autoren beschrieben schon im 1. Jahrhundert n. Chr. das Einsetzen von Knospen im Obst- und Weinbau.
  4. Das Verfahren wird bis heute zur Vermehrung von Obstbäumen wie Apfel, Birne oder Kirsche sowie von Rosen genutzt. Es gilt als besonders effizient, da nur wenig Edelreis-Material benötigt wird. Ziel ist es, hochwertige Sorten sortenecht zu erhalten und mit geeigneten Wurzelsystemen zu kombinieren.
  5. Ideal ist die Zeit von Ende Juli bis Anfang September, wenn sich die Rinde der Unterlage gut lösen lässt. Nach etwa drei bis vier Wochen ist das Auge angewachsen. Meist bleibt es bis zum nächsten Frühjahr ruhend. Dann wird die Unterlage oberhalb des Auges zurückgeschnitten, damit die neue Sorte austreibt.